Busenfreundinnenschaft heißt, Baumkugeln in Boob-Form geschenkt zu bekommen und gemeinsam kichernd zu wissen, dass Humor unsere Strategie ist in dieser Welt, in der der mentale Load rund um die Feiertage zumeist wieder selbstverständlich dort landet, wo er oiwei landet und sich Ungleichstellung oft noch deutlicher zeigt, als eh das restliche Jahr schon. Und davon, dass wir in einer privilegierten Position sind, in der „Haha, Busn“ möglich ist.
Wenn mein Kind sagt „solang der Baum steht, darf niemand zu Besuch kommen“, weil die Busen so peinlich sind, dann ist auch das Ausdruck von Sicherheit in einem Raum, in dem Peinlichkeit erlaubt ist und keine Gefahr bedeutet. (und für mich die zweite Gelegenheit, wegen der Dinger zu kichern)
Wir sind doch alle längst gleichberechtigt.
Ich steh diese Woche in der Bücherei an der Kassa, und sag naiv, wie gern ich Bücher les, die mir den Blick aus meiner Bubble ermöglichen: Wo ich erkenn, dass wir nugarned alle emanzipiert sind. Bei „alle“ lacht mein Gegenüber. Aus vollem Herzen zynisch. Weil „wir“ davon eigentlich erschreckend weit entfernt sind.
Ein paar Stunden später hab ich das erste meiner neuen Bücher durch und bleib bei der Frage hängen, wie viele Frauen* einen Alltag leben, der nach Rückschritt aussieht, sich aber für sie nach eigener Entscheidung anfühlt und wie weit wir als Außenstehende gehen dürfen, das überhaupt zu bewerten. Ob das nicht am Ende alles eine Frage von Perspektive ist, von Sozialisierung, von biografischen Möglichkeiten und Grenzen, von so vielen Faktoren, die diese Fragen gleichzeitig notwendig und unmöglich machen.
Meine Perspektive ist geprägt von einer Mischung aus Skills und Möglichkeiten.
Ich bin weiß. Im Mittelstand verheiratet. Hab 2 gesunde Kinder aus 2 geplanten, unkomplizierten Schwangerschaften. Kann Bio kaufen, ohne auf den Preis zu schauen. Bin queer in einem Land, wo das den meisten oafoch blunzn ist. Unerkannt neurodivergent durchs Studium gehupft, weil mir kein Behindertenstempel aufgedrückt wurde. „Vom Arbeiterkind zur selbstständigen Frau“ klingt viel mehr nach Success Story, als ich es empfunden hab. Ja, manches davon war jetzt nicht voi leicht, (vor allem Elternsein mit meinem Hirn, das oft anders schwingt) aber es war möglich. Und genau darin liegt mein Privileg.
Kompetenz (inkl. großer Klappe) allein erklärt diese Wege nicht. Das System hat mir Türen offen gelassen, die für andere verschlossen bleiben. Möglichkeiten müssen erst amoi existieren, bevor wir sie uns erarbeiten können. Emanzipation ist kein individuelles Projekt, sondern eine Frage von Strukturen, Zugängen, Absicherung. Davon, wer scheitern darf, wer getragen wird und wer immer wieder neu anfangen muss (ohne Netz). Gleichstellung ist komplex und verschränkt. Sie wirkt je nach Körper, Herkunft, Status, Sichtbarkeit völlig unterschiedlich, und genau deshalb ist dieses „alle“ gefährlich bequem.
Dieses Jahr hab ich vor allem eines gelernt
Veränderung passiert nicht im Kleinen, auch wenn sie dort zu beginnen scheint. Sie muss IMMER systemisch betrachtet werden. Ob Körper, Care, Klasse, Neurodivergenz, Queerness, Nachhaltigkeit, Elternschaft: Zu viele werden vom Großen daran gehindert, das Kleine überhaupt leben zu können. Entlastung entsteht nicht durch individuelles Durchbeißen, sondern durch kollektives Verschieben von Bedingungen. Dass ich mir leisten kann, Gleichstellung als „erreicht“ zu denken hängt genau damit zusammen.
Winterferien Dahoam
Boobs am Baum, gemeinsam lesen auf der Couch, ich mal wieder im Gym, während er genießt, endlich mal wieder nicht zu Kochen, er beim Basketballspiel, während wir Chillabend machen. Equality ist keine Erfolgsgeschichte, sondern Praxis. Teilen von Lasten, Aufbrechen von Strukturen, Schaffen von Freiräumen, in denen Scham erlaubt ist und Gleichstellung Stück für Stück spürbar wird. Und ich, während ich über die glänzenden Busen kichere, immer wieder dankbar für die Privilegien bin, die das alles überhaupt möglich machen.

