In den 90ern stands auf ALLEN Covern. So oder ähnlich: Bikini-Figur in 10 Tagen. Heute läuft’s im TikTok-Loop unter #skinnytok – damals Airbrush Retusche, heute Filter-App. Dieses toxische Retro-Ideal kommt wohl den meisten von uns Millenials sehr bekannt vor.
Eye of the Tiger, aber dein Bauch knurrt trotzdem
Die Journalistin Leanne schreibt im Freeletics Blog: die meisten Clips in dieser Bubble sind hart bearbeitet und gefiltert. Schlankheit wird dort als Lifestyle verkauft, inklusive Sprüchen wie „Dein Magen knurrt nicht, er applaudiert dir.“
Sorry, aber: Applaus von innen gibt’s nicht. Knurren heißt Hunger. Und Hunger killt Energie. Ohne Energie kein Training, kein Fortschritt, kein Leben. Punkt.
Imke Rabiega spricht im Podcast „hyped“ bei WELT im Vergleich mit dem „Heroin Chic“ der 90er heute sogar von einem „Ozempic Chic“ – ein Etikett für den Lifestyle der 20er, in dem Abnehmen per Spritze als glamourös inszeniert wird. Ein anderes Jahrzehnt, andere Chemie, dasselbe gefährliche Ideal.

Video killed the cover star
Früher entschieden Magazine, welche Körper wir sehen. Kate Moss war das Role Model, basta. Heute erklärt Soziologin Villa Braslavsky im Interview mit dem Standard: Social Media hat eine „Demokratisierung der Bilder“ gebracht. Jede*r kann hochladen, jede*r kann inszenieren.
Das Ding ist: Wir haben nicht weniger toxische Bilder, sondern unendlich mehr. Aber immerhin auch Alternativen: Body-Neutrality-Accounts, inklusiven Content, Serien, die verschiedene Körper feiern.
Fight for your right… to diet?
Boomer vererbten uns die Diätkultur. Body Positivity war unsere feministische Antwort auf die toxischen Schönheitsideale – ein dringend nötiger Befreiungsschlag der Millenials. Endlich andere Körper, endlich Vielfalt, endlich Selbstakzeptanz.
Aber auch hier gab’s Übertreibungen. Teilweise wurden ungesunde Extreme verklärt, mehrgewichtige Körper gefeiert, obwohl klar war: nicht jedes Bild von „Selflove“ ist automatisch gesund.

Mir ist wichtig: Akzeptanz heißt nicht Verherrlichung. Was wir brauchen, ist ein realistisches, freundliches Bild von Körpern – mit Platz für Unterschiede, ohne einseitig neue Ideale aufzubauen. Am Ende führt der gesündeste Weg weder über Verzicht noch Verherrlichung, sondern über Body Neutrality: den Körper einfach als das zu sehen, was er ist – ein Zuhause, das uns durchs Leben trägt.
Gen Z taumelt da noch: Zwischen SkinnyTok und Krafttraining, zwischen Hungernarrativen und neuen Bubbles, die Stärke und Vielfalt feiern.
Das Pendel schwingt. Jede Generation ist wohl das Regulativ der vorherigen. Aber: Manche Rückschritte sind nicht bloß ein Retro-Trend. Sie sind gesundheitsschädlich – und genau da wird’s gefährlich.

Stronger than yesterday
Ja, es gibt SkinnyTok. Und FitnessTok, YogaTok, RecoveryTok. Bubbles, die nicht dünn, sondern stark, lebendig und divers als Ideal feiern. Und doch: Alle gemeinsam gepusht von einem System, das uns seit Jahrzehnten erzählt, dass wir uns selbst bloß gut genug kontrollieren müssen, diszipliniert an uns arbeiten sollen und dann klappt das sicher mit dem guten Leben. Oder der nächste Trend grätscht dazwischen.
Die Frage ist nicht, ob toxische Bilder verschwinden – alte Geister sind oft zach – sondern welche Bilder lauter sind.
SkinnyTok ist ein Reminder: die alten Bilder sitzen immer noch im Generationenfeed. Aber wir haben die Chance, ihnen bessere Bilder entgegenzusetzen.


